Die Recherchen zum Auffanglager Küstrin / Alt-Drewitz

Auffanglager Küstrin 1945? Hm… So meine Reaktion, als ich vor einigen Jahren einen Anruf von einer Dame bekam, deren Vater im Herbst 1945 in einem Lager in Küstrin geboren worden sein sollte. Ich beschäftige mich schon lange als Historiker mit der Stadt Küstrin, aber dieses Lager war mir neu. Also fragte ich ehemalige Küstriner danach, aber niemand hatte je davon gehört.

Das war aber letztendlich auch kein Wunder, wie sich bei den späteren Recherchen herausstellte, denn das Lager wurde erst einige Monate, nachdem die deutsche Bevölkerung die Stadt schon verlassen hatte, eröffnet. Leider habe ich damals aber verpasst, mir die Nummer der Dame zu notieren, so dass ich sie nicht mehr erreichen kann.

2019: Die Nachforschungen zum Auffanglager Küstrin beginnen

Bei anschließenden, ersten Recherchen im Internet fand sich erste Spuren und Hinweise auf das Lager, die aber über Randnotizen über dessen Existenz in einigen Büchern nicht hinausgingen. Quellenangaben aus den Büchern führten mich ins Brandenburgische Landeshauptarchiv (BLHA) in Potsdam.

Am 5.9.2019 war die erste Fassung meines Artikels „Das Auffanglager Küstrin / Alt-Drewitz 1945“ über dieses relativ unbekannte und kurzen Kapitel der Küstriner Stadtgeschichte fertig und ging online.

Nach der Veröffentlichung wurde ich auf eine weitere, mir noch unbekannte Akte im BLHA aufmerksam gemacht, auch im Bundesarchiv entdeckte ich noch Akten zum Auffanglager Küstrin / Alt-Drewitz. Also ging es am 17.09. wieder nach Potsdam und nach Berlin Lichterfelde ins Bundesarchiv. Am 19.09.2019 ging eine umfassend erweiterte Version des Artikels online. Diese Fassung wurde im Dezember 2019 und noch einmal im Februar 2020 in der Heimatzeitung Kreis Königsberg Neumark abgedruckt.

Am 21.1.2021 wurden die Sterberegister des Standesamts I Berlin (auch als Auslandsstandesamt bekannt) bis 1955 bei ancestry.de online gestellt. Dieses Standesamt war nach dem 2. Weltkrieg unter anderem für die früheren deutschen Ostgebiete verantwortlich. Dort fand ich fast 40 beurkundete Sterbefälle im Auffanglager Küstrin / Alt-Drewitz. Der Artikel wurde entsprechend ergänzt.

Auch im Mitteilungsblatt Nr. 1-2/2021 der Landesgeschichtlichen Vereinigung der Mark Brandenburg e.V. (erschienen am 1. Juni 2021) wurde der Artikel veröffentlicht. Am 24.08.2021 veröffentlichte das Festungsmuseum in Kostrzyn eine ins polnische übersetzte Version meines Artikels und stellte es zum Download (PDF) bereit.

Bei meinem Besuch im Bundesarchiv am 3.11.2021 sah ich mir die bis dato letzte Akte mit Informationen zum Lager an. Dabei handelte es sich um die politische Lebensgeschichte von Ignatz Bialas, damals Leiter des Lagers und später u. a. Leiter der Volkspolizei in Seelow.

Ist das Thema Auffanglager Küstrin / Alt-Drewitz damit durch?

Ich glaube nicht, jedenfalls noch nicht ganz. Ich erhoffe mir zumindest noch weitere Daten aus dem Standesamt I in Berlin, sobald weitere Jahrgänge nach 1955 online gehen. Ich bin auch noch auf der Suche nach Zeitzeugenberichten von Menschen, die das Lager durchlaufen haben.

Den Artikel Das Auffanglager Küstrin / Alt-Drewitz 1945 auf cuestrin.de – Die Geschichte de Stadt Küstrin lesen.

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